Rückblick

Konvergenz bei agilen und reichhaltigen Prozessen?

SEE 2008 bringt Vertreter unterschiedlicher Vorgehensmodelle zusammen.

München, 14. Mai 2008

Während der SEE-2008-Konferenz vom 28. bis 30. April in Bern nutzten unter anderem Vertreter der Standards PRINCE2, V-Modell XT, HERMES, CMMI, SPICE, SCRUM und FDD drei Tage lang die Möglichkeit zum Meinungsaustausch. Dabei zeichnete sich ein Trend zur Konvergenz und zum Miteinander ab: Agile und reichhaltige Vorgehensmodelle werden nicht mehr so sehr als unversöhnliche Gegenspieler angesehen, sondern übernehmen teilweise sogar Methoden und Ansätze voneinander. Zunehmend definieren sie sich über ihre jeweiligen Stärken und Anwendungsgebiete – den Anspruch auf die allein selig machende Methode haben die meisten aufgegeben.

Der Einsatz agiler Vorgehensweisen gilt im Bereich der öffentlichen Verwaltung wegen der behördlichen Vorgaben und Ausschreibungsrichtlinien als schwierig. Die Keynote von Peter Fischer (Chef des Informatikstrategieorgans Bund ISB und verantwortlich für die EGovernment- Strategie in der Schweiz) und die abschließende Podiumsdiskussion zeigten aber, dass dies nicht zwangsläufig so sein muss: Die neuen europäischen Ausschreibungsrichtlinien ließen prinzipiell genügend Raum für eine enge und kooperative Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer; teilweise sei dies in den Ämtern nur noch nicht genügend bekannt. Trotzdem gebe es bereits eine Reihe von Projekten, die agile Methoden erfolgreich in öffentlichen Projekten eingesetzt haben.

Im agilen Lager betonte Bernd Oestereich von Oose, dass im Normalfall auch bei der agilen Entwicklung nicht 30 alles veränderlich sein könne. Zumindest die grundlegenden Anforderungen und Ziele sowie die Architektur müssten als Grundlage für die weitere Entwicklung möglichst früh feststehen. Und auch bei einem Time- Boxing-Ansatz müsse man dem Kunden oft einige Features für das Ende der jeweiligen Iteration fest zusagen – eigentlich ja eher ein Charakteristikum eines „traditionellen” Meilensteins.

Auf der anderen Seite machte Prof. Rausch von der TU Clausthal deutlich, dass auch reichhaltige Vorgehensmodelle wie das V-Modell XT oder HERMES agile Ziele verfolgen und ein iteratives und inkrementelles Vorgehen im Rahmen einer kooperativen Entwicklung fordern.

Peter Haumer von der IBM Software Group stellte in seiner Keynote den Metamodell-Standard SPEM 2.0 vor. Die Spezifikation aus seiner Feder wird als der zukünftige Standard zur Beschreibung von Entwicklungsprozessen gehandelt und kann sowohl agile als auch reichhaltige Vorgehensmodelle beschreiben. Insgesamt war zu beobachten, dass immer mehr Werkzeuge auf Basis derartiger Metamodelle entstehen – die formale Basis dient als Grundlage für Werkzeugmechanismen zur Kooperation und Steuerung von Teams und Prozessen.

Die Veranstalter der SEE, die 4Soft GmbH aus München und die TU Clausthal, zogen ein positives Resümee. Geschäftsführer Dr. Marc Sihling betont: „Die SEE hat sich als Forum für die Vertreter unterschiedlicher Vorgehensmodelle und Methoden etabliert. Dazu hat neben der aktiven Unterstützung durch elf Vereine und Organisationen besonders das angenehme, offene und lebhafte Diskussionsklima beigetragen.”

 

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